Das Erscheinen einer Reihe von Michi-Komponenten im Jahr 2019 schlug ein wie eine Bombe. Sie sind für den High-End-Audiomarkt zu dem geworden, was preiswerte Rotel-Modelle schon immer für das HiFi-Segment waren – der Maßstab für das, was man für einen bestimmten Preis und sogar etwas mehr bekommen kann. Der neue Vollverstärker Michi X3 Series 2 setzt diese Tradition fort.
Design
Bei einer externen Prüfung des neuen Produkts konnten keine Unterschiede zur ersten Generation des Modells festgestellt werden. Der Hersteller behauptet, mehrere hundert Änderungen an der Schaltung und den Bauteilen vorgenommen zu haben, ohne dies jedoch näher zu erläutern. Gleichzeitig hat sich das Gewicht des Verstärkers um kein Gramm verändert, ebenso wenig wie die Leistungsanzeigen. Zu den offensichtlichen Verbesserungen zählt der DAC, der nun mit dem Saber Pro ES9028PRO-Chip ausgestattet ist. Dieser Chip gehört zwar nicht zu den teuersten Modellen von ESS Technologies, doch bekanntlich sind für guten Klang die formalen Eigenschaften des Wandlers weniger wichtig als die korrekte analoge Verkabelung und Stromversorgung. Ansonsten ist der Michi X3 Series 2 vom Originalmodell aus dem Jahr 2020 kaum zu unterscheiden.
Vor uns befindet sich derselbe Vollverstärker, der bei einer Last von 8 Ohm 200 Watt pro Kanal und bei 4 Ohm bis zu 350 Watt liefert. Der Dämpfungsfaktor beträgt 350 Einheiten im Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz. Zu den Anschlüssen gehören drei unsymmetrische analoge Eingänge (Cinch), ein symmetrischer Eingang (XLR) und ein Phono-Eingang (nur für MM-Tonabnehmer).
Digitale Eingänge sind über drei koaxiale und drei optische Anschlüsse, einen USB-B-Anschluss und einen Bluetooth-Adapter mit Unterstützung für den aptX HD-Codec verfügbar. Die Netzwerkfunktionen umfassen einen Ethernet-RJ45-Anschluss und einen RS232-Bus; ein USB-A-Anschluss auf der Rückseite dient für Firmware-Updates und zum Laden von Geräten. Außerdem gibt es einen analogen Ausgang des Vorverstärkers und einen Ausgang zum Anschluss eines aktiven Subwoofers.
Die Stromversorgung erfolgt wie zuvor über einen großen Ringkerntransformator mit zuverlässiger Abschirmung und vier soliden Filtertanks. Passive Kühlkörper für die Ausgangsstufen sind elegant in die Seitenwände des Gehäuses integriert.
Die Frontblende ist unverändert geblieben – sie verfügt über zwei große Drehregler, von denen einer die Lautstärke und der andere die Eingänge steuert. Das mittig angeordnete Display wird erst beim Einschalten sichtbar; die Bedienung des Menüs ist mit der Fernbedienung, die sich im Vergleich zum Verstärker der ersten Generation nicht verändert hat, komfortabler.
Verbindung
Als Signalquellen dienten der Lyngdorf CD-2 CD-Player und der AVM Rotation R 30.3 Plattenspieler. Die Lautsprecher waren Bowers & Wilkins 703 S3, die kürzlich mit dem EISA Award ausgezeichnet wurden. Die Umschaltung erfolgte über Kabel der amerikanischen Firma Transparent. Die erste Generation des Michi X3 war so erfolgreich, dass jeder Versuch, sie zu verbessern, fast schon Blasphemie erscheint. Was ließe sich zu den unbestreitbaren Vorteilen wie der exzellenten Kontrolle von Lautsprechersystemen und der präzisen Positionierung von Instrumenten auf Aufnahmen jeglicher Genres, die den Originalverstärker auszeichneten, noch hinzufügen? Die Gefahr, etwas zu ruinieren, ist hier größer. Dennoch gibt es Verbesserungen, wenn auch keine revolutionären.
Zunächst möchte ich die deutlich verbesserte Ansprechgeschwindigkeit, insbesondere im Tieftonbereich, hervorheben. Elektronische und bassreiche Musikstücke wurden vom Verstärker nicht nur mit makelloser Kontrolle, sondern auch mit exzellenter Dynamik wiedergegeben. Die bei Musikliebhabern so beliebte Eigenschaft PRAT (Tempo, Rhythmus und Timing) ist beim Michi X3 Series 2 deutlich ausgeprägter als beim Vorgängermodell. Eine unerwartete und angenehme Überraschung (für einen Transistorverstärker) war die sehr feine Klangwiedergabe, die sich in der korrekten Wiedergabe komplexer Klangfarben von Streichinstrumenten und männlichem Gesang mit großem Umfang zeigte. Der Verstärker reagiert zudem sehr sensibel auf Änderungen der Signalquelle – je höher der Pegel des angeschlossenen digitalen oder analogen Abspielgeräts, desto besser kommen alle Stärken des Michi X3 Series 2 zum Vorschein. Der im Verstärker integrierte DAC bietet einen etwas kühlen, aber sehr detailreichen Klang; Ähnliches gilt für die integrierte Phono-Vorstufe. Insgesamt eröffnet sich dem Besitzer ein weites Feld für musikalische Experimente. Sagen wir einfach, das Gerät verdient die beste Signalquelle, die Sie sich leisten können. Zu den charakteristischen Merkmalen des Verstärkers gehört auch das, was man gemeinhin als Holografie bezeichnet – es gab keine Verbindung zwischen Klang und Lautsprechersystem, und die Klangbühne reichte weit über die physischen Abmessungen des Systems hinaus. Es würde viel Zeit in Anspruch nehmen, alle Vorteile des neuen Produkts aufzuzählen, aber die wichtigste Schlussfolgerung ist ganz einfach: Der beste Vollverstärker ist noch besser geworden, wenn auch mit dem Nachteil eines etwas höheren Preises (währungsbereinigt natürlich).
Abschluss
Überraschenderweise ist es Rotel gelungen, ihren bahnbrechenden Verstärker noch weiter zu verbessern. Wenn Ihre Lautsprecher keine Kilowatt-Leistung benötigen, um optimal angetrieben zu werden, ist es schlichtweg unmöglich, den besten Vollverstärker zu einem vernünftigen Preis zu finden. Ein seltener Fall, in dem man ein Transistorgerät bedenkenlos kaufen kann. Unsere uneingeschränkte Empfehlung.


