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Pioneer SX-10AE: Die perfekte Budgetlösung

Pioneer SX-10AE
Pioneer SX-10AE
Pioneer SX-10AE
8.5

Wir sind längst daran gewöhnt, dass durchschnittliche Receiver so viele Funktionen und Extras bieten, dass es fast unmöglich ist, sie alle vollständig zu beherrschen. Nicht etwa, weil die Nutzer unbedarft wären, sondern schlicht und einfach, weil manche sie ständig brauchen, andere aber nie. Und trotzdem müssen alle Käufer dafür bezahlen. Das Gerät, über das wir heute sprechen, ist jedoch ganz anders. Hier zahlen Sie nicht extra für 33 Surround-Voreinstellungen oder DSD512-Unterstützung. Es ist kinderleicht zu bedienen. Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, für wen es gedacht ist und wie gut es klingt. Der SX-10AE ist das jüngste von acht Geräten, die in der aktuellen Pioneer-Produktpalette als Stereo-Receiver bezeichnet werden. Zum Vergleich: Es gibt noch 15 weitere Mehrkanal-Modelle, die wir heute aber nicht behandeln. Tatsächlich ist schon das Wort „Empfänger“ ein klarer Anachronismus aus einer Zeit, als Radioempfänger, Plattenspieler und Tonbandgerät nicht nur die wichtigsten, sondern die einzigen Quellen für Musikinhalte waren. Damals war von der Verarbeitung von Mehrkanal-Audiospuren natürlich keine Rede. Heute meinen wir mit „Empfänger“ in erster Linie die Dekodierung komplexer digitaler Datenströme und natürlich auch die Videoumschaltung.

Unser Held ist also ein Receiver im ursprünglichsten Sinne des Wortes. – Heimkino? – Nein, das ist in einer anderen Kategorie des Katalogs zu finden.

Fähigkeiten

Trotz seiner spartanischen Funktionalität ist der SX-10AE äußerlich kaum von seinen Mehrkanal-Pendants mit ausgefeilten Decodern zu unterscheiden. Das für HiFi-Komponenten übliche Gehäuse misst fast 15 cm in der Höhe – und ist damit höher als das 17 kg schwere Monstrum Pioneer A-70DA, das wir kürzlich getestet haben.

Äußerlich sieht das Gerät mindestens zwei- oder sogar dreimal so teuer aus.

Alles an der Vorderseite wirkt vertraut, nur die Tastenanordnung ist typischer für einen Vollverstärker : Klangregelung, Balance und fünf Tasten zur direkten Quellenauswahl. Interessanterweise ist eine mit „Bluetooth“ und die andere mit „Netzwerk“ beschriftet. Im ersten Fall ist alles klar: Der Receiver kann Musik von mobilen Geräten über dieses Protokoll abspielen. „Netzwerk“ ist lediglich die Bezeichnung eines der linearen Eingänge, an den man einen Netzwerkplayer anschließen kann. Alternativ lässt sich auch ein Satellitenreceiver verwenden – der Klang wird dadurch nicht schlechter. Auf der Rückseite befinden sich vier Paar „tulpenförmige“ Eingänge sowie ein linearer Ausgang. Dieser Ausgang ist jedoch nicht stabil, das heißt, der SX-10AE funktioniert nicht mit einer externen Endstufe.

Externe Quellen werden über vier Line-Eingänge angeschlossen; digitale Anschlüsse sind nicht vorhanden.

Es gibt außerdem einen weiteren Ausgang speziell für einen Subwoofer, dazu später mehr. Zwei Paar Akustikanschlüsse sind vorhanden, an die Lautsprecher gleichzeitig angeschlossen werden können. Die Anschlüsse sind einfach, aber recht praktisch, abgesehen von ihrer geringen Größe – sie liegen sehr nah beieinander, trotz der großzügigen Freiflächen drumherum. Die gesamte Oberseite des Gehäuses ist mit zahlreichen Lüftungsöffnungen versehen, und bei genauerem Hinsehen erkennt man im Inneren einen beeindruckenden Netztransformator mit W-förmigem Kern. Daneben befindet sich eine umfangreiche, aber nicht überladene Hauptplatine sowie ein großer Kühlkörper, an dem relativ große Transistoren in Kunststoffgehäusen befestigt sind.

Das Symbol auf der Oberseite warnt vor starker Wärmeentwicklung. Dies ist eine erfreuliche Information für einen Verstärker.

Warum habe ich so viel Wert auf die Beschreibung eines eher gewöhnlichen Layouts gelegt? Nun, es deutet ganz klar auf die klassische AB-Klassenschaltung hin. Die Pioneer-Website gibt hingegen eindeutig an, dass der Verstärkerteil gemäß der firmeneigenen Direct-Energy-Architektur aufgebaut ist. Damit ist üblicherweise eine Impulsschaltung gemeint, die mit Direct-Power-FET-Feldeffekttransistoren (DPF) direkt auf die Leiterplatte gelötet ist. Ich vermute, dass Direct Energy in diesem Fall eine besonders sorgfältige Optimierung herkömmlicher Gegentaktstufen bedeutet.

Tests

Im Test war der Receiver an DALI Ikon 2 MK II Regallautsprecher angeschlossen. Obwohl ich selbst ein Android-Smartphone nutze, entschied ich mich diesmal für ein iPhone als Bluetooth-Quelle. Der SX-10AE akzeptiert nämlich nur Streams im Standard-SBC-Codec und dem beliebten Apple AAC, aptX und LDAC werden nicht unterstützt.

Die Frontblende ist schlicht und ergonomisch.

Bevor ich mit dem Hören begann, war ich sehr neugierig auf den Subwoofer-Ausgang. Bei Mehrkanal-Receivern wird ein separater Kanal für Tiefton-Effekte darüber ausgegeben, aber in unserem Fall ist keine Dekodierung von Mehrkanal-Tracks vorgesehen. Die Bedienungsanleitung gab dazu keine Auskunft, daher musste ich etwas recherchieren. Das Ergebnis: Der Verstärker besitzt keine eigene Frequenzweiche, und ein vollständiger Mix aus zwei Stereokanälen wird ohne Weiteres an den Subwoofer-Vorverstärkerausgang ausgegeben. Die Logik dahinter scheint zu sein, dass der Musikliebhaber den oberen Frequenzbereich des Signals mit der Frequenzweiche des Subwoofers selbst abschneiden soll. Das funktioniert zwar, aber es ist unklar, was mit den Ausläufern der von den Hauptlautsprechern wiedergegebenen tiefen Frequenzen geschehen soll. Eine saubere Verbindung ist nur möglich, wenn der Subwoofer eine direkte Trennung des akustischen Signals vom Leistungsverstärker erlaubt. Dann ist der Bass-Vorverstärkerausgang aber überflüssig.

Die Verarbeitungsqualität ist beeindruckend, die Vibrationsdämpfung ist jedoch nicht sehr gut.

Nun zum Klang selbst. Meiner Meinung nach erfüllt das Gerät voll und ganz die Bedürfnisse seiner Zielgruppe. Gemeint sind Menschen, die aus verschiedenen Gründen kein großes Budget für eine Anlage ausgeben möchten, aber dennoch einen möglichst harmonischen und dynamischen Klang erwarten. Wer sich nicht an solche Kategorien gewöhnt hat, wird für das gleiche Geld wahrscheinlich eher eine Musikanlage mit Karaoke bevorzugen. Mit ehrlichen 50 Watt pro Kanal (die 100 Watt bei 1 kHz und 1 % Klirrfaktor lassen wir mal außer Acht) liefert der SX-10AE einen spritzigen, dynamischen Klang, der sowohl plastische Eigenschaften als auch eine präzise Klangbühne bietet. Offenbar war die Entscheidung, bei einem so günstigen Gerät auf Pulsverstärkung zu verzichten, richtig – in der Klasse D ist eine solche Klangqualität deutlich teurer. Das Ergebnis ist ein harmonischer und ausgewogener Klang. Auch wenn die Hochfrequenzauflösung der Klasse angemessen ist und die Bassdynamik nicht unbegrenzt, ist der Klang dennoch kraftvoll und angenehm wahrnehmbar.

Die Fernbedienung ist kompakt, aber dennoch sehr praktisch.

Und in einem System, in dem der SX-10AE im Mittelpunkt steht, werden die Fähigkeiten seines Tonblocks, der mit einer Tiefe von ±10 dB bei Frequenzen von 100 Hz und 10 kHz arbeitet, sicherlich nützlich sein.

Abschluss

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein solches Gerät durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Beispielsweise als Ergänzung zu einem günstigen Plattenspieler mit integriertem Phono-Vorverstärker oder zur Kombination von Fernseher und Satellitenreceiver, die kein Mehrkanal-Heimkino-System darstellen sollen. Die fehlenden Streaming-Funktionen lassen sich problemlos über das Smartphone bereitstellen, das per Bluetooth mit dem Receiver verbunden ist. Wir entwickeln eine kostengünstige Lösung, sodass kein doppelter Preis nötig ist.

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