Obwohl die Firma Sivga Audio, gelinde gesagt, nie besonders bekannt war, höre ich schon seit einigen Jahren von dieser Marke. Ich bin auf sie über die mir bis dahin unbekannte amerikanische Amazon-Website gestoßen, wo das damals noch sehr kleine und ambitionierte chinesische Unternehmen vor einigen Jahren eine äußerst aggressive Marketingkampagne unter dem Namen Sandy Audio durchführte. Das hat mich zunächst etwas verwirrt, und ich konnte mir nicht erklären, worin der Unterschied zwischen Sandy Audio und Sivga Audio besteht und ob es sich überhaupt um zwei verschiedene Marken handelt. Wie sich herausstellte, ist Sandy Audio eine Untermarke von Sivga Audio, die sich auf High-End- Kopfhörer spezialisiert hat, wie auf der offiziellen Website klar angegeben ist. Sandy Audio hingegen ist eine bekanntere Marke, die Kopfhörer einer niedrigeren Preisklasse als Sivga Audio herstellt. Diesmal hatte ich die Gelegenheit, die günstigsten Over-Ear-Kopfhörer der Marke zu testen – die Sivga Audio SV021. Nun wollen wir herausfinden, wie gut sie sind und ob sie mit Modellen bekannterer Hersteller mithalten können.
Lieferinhalt
Die Kopfhörer werden in einer schwarzen Box aus Carbonfaser geliefert. Überraschenderweise sucht man hier vergeblich nach den üblichen „Hi-Res“- und „High-Definition“-Aufklebern, die den Kopfhörern auf den ersten Blick einen billigeren Eindruck verleihen. Stattdessen findet sich hier lediglich ein Bild des Modells und dessen Name – mehr nicht. Diese Designlösung, nicht einmal für die Kopfhörer selbst, sondern nur für die Box, ist ein positives Signal und vermittelt den Eindruck, dass sich darin ein hochwertiges Produkt befindet. In der Box selbst befinden sich ein hochwertiges 3,5-mm-Doppelkabel, ein 3,5-mm-auf-6,3-mm-Adapter und ein Aufbewahrungsbeutel. Dieser Beutel hat mich etwas enttäuscht; ich hätte mir natürlich zumindest eine Schutzhülle gewünscht. Dennoch bin ich dankbar, da weder Sennheiser noch Beyerdynamic in dieser Preisklasse ein Etui oder eine Schutzhülle anbieten.
Verarbeitungsqualität und Haptik
Die Sivga Audio SV021 sind mehr als solide verarbeitet. Ehrlich gesagt hatte ich sowohl hinsichtlich der Verarbeitungsqualität als auch der verwendeten Materialien deutlich Schlimmeres erwartet. Die Kopfhörer bestehen komplett aus Stahl, Kunstleder und Holz – ganz ohne Kunststoffteile. Anfangs war ich etwas überrascht, dass bei diesem niedrigen Preis so wenig Kunststoff verbaut ist, aber dann wurde mir der Clou klar. Bei genauerer Recherche stellte sich heraus, dass Sivga Audio die Kopfhörer nicht nur selbst entwickelt, sondern sie auch komplett selbst produziert und montiert. In dieser Preisklasse ist das tatsächlich sehr selten, denn HiFi-Kopfhörerhersteller verzichten oft auf eigene Produktionsstätten für Budget-Kopfhörer und vergeben stattdessen riesige Aufträge an chinesische Fabriken, mit denen sie nichts zu tun haben. Die Eigenproduktion senkt die Endkosten erheblich, und so erhält man Kopfhörer für 150 Dollar, die genauso gut verarbeitet sind wie viele 250-Dollar-Modelle.
Komfort
Die Sivga Audio SV021 erwiesen sich als äußerst komfortabel. Dank der unglaublich weichen Ohrpolster und des weichen Kopfbügels, der großen Ohrmuscheln und des geringen Gewichts spürt man sie kaum auf dem Kopf. Selbst nach 4-5 Stunden Hörgenuss treten keine Beschwerden auf. Darüber hinaus sind dies die ersten Over-Ear-Kopfhörer, die ich selbst mit Brille bequem tragen kann, da der Kopfbügel – anders als bei den meisten anderen Over-Ear-Kopfhörern – sehr flexibel ist und nicht seitlich am Kopf drückt. Gleichzeitig sitzen die Kopfhörer fest genug, um nicht zu verrutschen.
Klang
Als ich die SV021 zum ersten Mal live sah, erinnerten sie mich – seltsamerweise – sofort an die Meze 99 Classics. Ja, vom Aufbau her (und wie sich herausstellte auch klanglich) unterscheiden sich diese Modelle grundlegend, aber beim Anblick der Holzkorpusse erwartete ich den warmen, röhrenartigen Klang, der mich bei den 99 Classics einst so begeistert hatte. Zu meiner Überraschung konnte ich die SV021 keinesfalls als Entspannungskopfhörer bezeichnen, nicht einmal annähernd. Ich würde sie nicht als „würzig“ bezeichnen, sondern eher als ausgewogen, mit einer leichten Tendenz zu einer gewissen Würze. Was die Detailwiedergabe für den Preis angeht, war ich sehr beeindruckt, insbesondere von den tiefen Frequenzen. Generell tritt der Bass hier etwas stärker hervor, aber im Rahmen. Die Bühnenbreite ist ebenfalls sehr gut, mit einer guten Positionierung der Instrumente, natürlich unter Berücksichtigung des Preises. Die SV021 sind nicht wählerisch, was die Qualität der Aufnahmen angeht, und sind genreübergreifend, aber man muss sagen, dass sie in Bezug auf Klangcharakter und Präsentation bei intensiverer Musik besser zur Geltung kommen.
Niedrige Frequenzen
Sie gefielen mir am besten. Ausgewogen, dynamisch und tief – so lässt sich der Bass hier beschreiben. Gleichzeitig drängt er sich nicht in den Vordergrund, sondern harmoniert perfekt mit den Höhen und Mitten.
Mittlere Frequenzen
Die Mitten sind hell, rhythmisch und detailreich. Dank ihrer besonderen Luftigkeit klingen die Instrumente unaufdringlich und praktisch ohne künstliche Klänge.
Hohe Frequenzen
Angenehm scharf und detailreich. Manchmal ist im Vergleich zum Referenzmodell eine gewisse Übertreibung an Emotionalität wahrnehmbar, was den Gesamtklang aber umso spannender macht.
Vergleich mit Wettbewerbern
Ehrlich gesagt, hat dieses Modell kaum Konkurrenz. Natürlich wird sich jeder fragen: „Was ist mit dem Audio-Technica ATH-M40/50X, dem Beyerdynamic DT 770/990 Pro, dem Koss Pro 4S und dem Philips SHP9600?“ Ich bin jedoch der Meinung, dass der SV021 mit keinem der Modelle dieser Liste vergleichbar ist – es gibt keine ebenbürtigen Konkurrenten. Erstens sind alle Modelle außer dem Philips Kopfhörer für die Arbeit mit Musik und haben daher einen ganz anderen Klangcharakter. Zweitens sind sowohl der Philips SHP9600 als auch der Beyerdynamic DT 990 Pro offen konstruiert, weshalb ein direkter Vergleich nicht ganz fair wäre. Letztendlich habe ich mich unter Berücksichtigung all dieser Punkte entschieden, den Koss Pro 4S, den ich kürzlich getestet habe, und den Beyerdynamic DT 770 Pro zum Vergleich heranzuziehen, den viele Leute für ganz andere Zwecke kaufen und ausschließlich zu Hause nutzen. Der Koss Pro4S fühlt sich auf dem Kopf etwas leichter an, ist aber aufgrund der dünneren Ohrpolster insgesamt etwas weniger komfortabel als der SV021. Trotzdem ist der Pro4S faltbar und wird – anders als der SV021 – mit einem hochwertigen Transportetui geliefert, was ein klarer Vorteil ist, wenn man die Kopfhörer unterwegs nutzen möchte. Der Klang des Pro4S ist aufgrund seiner Monitor-Ausrichtung etwas trockener als der des SV021 und er reagiert empfindlicher auf die Klangquelle und die verwendeten Geräte. Der Beyerdynamic DT770 Pro kann damit werben, in Deutschland gefertigt zu werden, was das Vertrauen in die Produktqualität stärkt. Nach den Erfahrungsberichten vieler Freunde kann ich sagen, dass er zweifellos zu den robustesten Kopfhörern der Welt gehört. Zudem lassen sich fast alle Teile bei Bedarf problemlos austauschen. Das Design des DT770 Pro gefällt mir persönlich aufgrund der runden statt ovalen Ohrpolster überhaupt nicht, daher ist der SV021 hier eindeutig mein Favorit. Auch klanglich gefällt mir der SV 021 besser, weil „Käufer“ oft zu streng sein können und mir der charakteristische Klangton im Hochtonbereich nicht wirklich zusagte.
Fazit: Meiner Meinung nach ist es den Chinesen gelungen, mit dem Sivga Audio SV021 ein wirklich gutes Produkt zu einem fairen Preis anzubieten. Der Kopfhörer hat sich als wahrhaft audiophil erwiesen und besitzt einen unverwechselbaren Klangcharakter, der viele Hörer begeistern dürfte. Verarbeitung und Tragekomfort verdienen besonderes Lob, doch es gibt einen kleinen Wermutstropfen: das Fehlen eines umfassenden Transportetuis. Zwar ist eine Tasche im Lieferumfang enthalten, diese schützt aber nur vor Staub. Insgesamt hat mir der Kopfhörer sehr gut gefallen, und ich freue mich darauf, die größeren Modelle dieser Baureihe kennenzulernen.





