Die Geschichte der Elysian-Serie ist recht einfach. In den letzten Jahren konzentrierte sich Wharfedale auf Geräte im Einsteigersegment. Sie brachten mehrere Generationen der Diamond-Serie (darunter auch die aktive Variante) heraus, setzten mit Linton und Denton auf Retro-Design und präsentierten in der Entwicklungsabteilung ein eher ungewöhnliches Modell: den EVO. Dieser ist zwar nicht besonders teuer, aber dennoch besser als die meisten anderen Produkte des Unternehmens. Dann entschied man sich, dass preisgünstige Technik zwar gut ist, aber auch Vielfalt gefragt ist. So erschien der schwere, massive Elysian 4 mit einem stolzen Preis von 10.000 US-Dollar. Und viele fragten sich: Wie viel verlangt Wharfedale? Gibt es dafür einen Grund?
Die Quintessenz der Marke
Der führende Ideengeber der Marke ist Peter Comeau. Er leitet das Entwicklungszentrum der IAG-Unternehmensgruppe, zu der Wharfedale und fünf weitere britische Audiomarken (sowie mindestens eine japanische) gehören. Peter selbst ist mit Wharfedale aufgewachsen und sagt, er habe die Kernwerte der Marke bereits als Teenager verinnerlicht, als er Lautsprecher aus Bausätzen selbst baute.

Er sagt, dass man bei der Entwicklung der Elysian-Serie traditionell versucht habe, das Prinzip der Musikalität umzusetzen: In erster Linie sollte die Akustik interessant und mit ihrem Klang fesselnd sein. All die technischen Kniffe dienen nicht dazu, Pressemitteilungen mit klugen Worten zu füllen und unter idealen Bedingungen den idealen Frequenzgang zu erreichen, sondern sind lediglich Methoden, um diesen aufregenden Klang zu erzielen. Wissenschaft und Technik sind zwar früh im Entwicklungsprozess wichtig, aber schöne Zahlen allein reichen nicht aus, und das menschliche Ohr ist nach wie vor das wichtigste Werkzeug im Audio-Design. Bei der Entwicklung der Elysian-Serie wollte Peter die Opus-Serie – die einzige vollwertige High-End-Serie von Wharfedale – übertreffen. In puncto Größe übertraf sie diese sicherlich: Die Lautsprecher sind 118 cm hoch und fast einen halben Meter tief, wiegen jeweils 50 Gramm und verfügen über ein Drei-Wege-System mit einem Bändchenhochtöner, einem 15-cm-Mitteltöner und zwei 21,5-cm-Tieftönern. Das Gehäuse wirkt durch seinen mehrschichtigen Aufbau matt, schwer und träge. Die übliche MDF-Platte wird an der Frontplatte durch steiferes HDF ergänzt – alles, um unerwünschte Resonanzen zu reduzieren. Die Auswahl an Oberflächen ist begrenzt: Es gibt Klavierlack in Schwarz und Weiß sowie hochglänzendes Walnussfurnier. Horizontale Streifen auf dem Gehäuse, die die Lautsprechersektionen optisch voneinander trennen, erinnern in Kombination mit dem Furnier an andere europäische Marken. „Es ist, als ob die italienischen Lautsprecher von den Deutschen gefertigt worden wären“, sagte Yulia Gorbatova während des Fotoshootings, und diese Aussage beschreibt das Design perfekt.

Es besticht durch die Klarheit des Brutalismus, Form folgt Funktion: Präzise berechnete, abgerundete Seiten, die sich zur Rückwand hin verjüngen, grenzen an eine flache, breite Frontplatte, auf der schwarze Emitter von hauchdünnen Metallringen eingefasst sind. In der monochromen Ausführung wird die Akustik zum Kunstobjekt aus der Ära des Retrofuturismus. Gleichzeitig ist die Verarbeitungsqualität exzellent: Das Furnier ist präzise verarbeitet, sechs Lackschichten glänzen makellos. Die Tief- und Mitteltöner sind maßgefertigte ScanSpeak-Treiber mit gewebten Glasfasermembranen, die mit einer Spezialbeschichtung versehen sind, welche die Absorption interner Resonanzen verbessert. Beide Tieftöner sind in einem gemeinsamen Gehäuse untergebracht und werden durch einen geschlitzten Bassreflexkanal ergänzt – dieser ist durch einen breiten Sockel auf massiven, über den Korpus hinausragenden Füßen vom Boden getrennt und durch sorgfältig ausgewählte Schaumstoffdämpfer verdeckt. Der Mitteltöner verfügt über eine eigene Kammer, und seine Eigenschaften wurden so gewählt, dass er perfekt mit dem Bändchenhochtöner harmoniert und mit ihm eine Einheit bildet. Wharfedale stellt seinen Hochtöner selbst her – es handelt sich um einen großen Emitter mit den Maßen 27×90 mm, der durch einen konkaven Kunststoffdiffusor ergänzt wird, um eine zu enge Abstrahlung zu vermeiden.

Die Entwickler versuchten, ein so großes Akustiksystem mit großen Lautsprechern zu einer relativ einfachen Last für den Verstärker zu machen – und erreichten eine Empfindlichkeit von 92 dB. Dies eröffnet ein weites Feld für Experimente, da der Elysian 4 aufgrund seiner Eigenart die Klangeigenschaften aller anderen Systemkomponenten sehr deutlich hervorhebt, ohne sie dabei zu überdecken. Mir schien jedoch, dass sie sich trotz der recht hohen Empfindlichkeit mit einer Verstärkung mit hoher Ausgangsleistung noch etwas spritziger anhören.

Dies ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist das Elysian 4 selbst transparent und neutral genug, um die Eigenschaften der Komponenten optimal zur Geltung zu bringen. Andererseits ergeben sich dadurch gewisse Schwierigkeiten bei der Auswahl der Systemkomponenten: Die akustischen Eigenschaften können bestimmte Merkmale anderer Geräte nicht kaschieren.

Letztendlich entschieden wir uns für ein Naim Uniti Nova System als Player und einen Cary Audio SA-200.2 ES Vor- und Endverstärker. Damit gelang es uns, eine sehr angenehme Balance aus Musikalität, Emotionalität und technischer Präzision zu finden. Die wichtigste Eigenschaft der Elysian 4 – ihre Neutralität – ermöglicht es, den Gesamtklang des Systems mit anderen Komponenten und Kabeln sehr feinfühlig anzupassen. Man kann einen wärmeren Verstärker, einen sanfteren Player oder im Gegenteil einen volleren und dichteren Klang hinzufügen und so scheinbar endlos mit der Technik experimentieren. Sie ist ein großer Lautsprecher und spielt kraftvoll – und fügt sich gleichzeitig harmonisch in den Raum ein. Sie erzeugt eine hohe, präsente Bühne, verteilt Klangschichten präzise im Raum und in der Tiefe bei Industrial und Neurofunk und hebt sich bei Stücken von Morcheeba und Björk leicht vom Gesamtklang ab. Man hat nicht das Gefühl, dass bestimmte Lautsprecher spielen – aber die Musik ist da. Sie spüren eine gewisse Erhabenheit, die den Hörer nicht mit Klang überwältigt, sondern ein sehr weites Raumgefühl vermittelt. Während Trip-Hop und Popmusik bei mittlerer Lautstärke melodisch dahinflossen, wollte man bei psychedelischem Jazz wie „The Comet Is Coming“ aufs Gaspedal treten – worauf das System prompt reagierte, ohne den hysterischen Saxofon-Ausbrüchen unnötige Verzerrungen hinzuzufügen und die geplanten Nachklänge unberührt zu lassen. Die Fähigkeit dieser großen Lautsprecher, im Raum zu verschwinden, erzeugte bei dem Stück „Summon The Fire“ einen einfach hinreißenden, immersiven Effekt. Samples wurden mit einem Flanger nicht nur von rechts nach links, sondern im ganzen Raum verteilt, sodass sie sich nicht mit dem Rhythmus und den verzerrten Bläsern vermischten, ohne die zwitschernde Perkussion zu übertönen.

Der Bass in den Melodien ist nicht dominant – er bietet eine gute Balance zwischen bissiger Wucht und massivem Brummen, das sich nicht selbst erdrückt, sondern ein greifbares, sattes Fundament für die gesamte Komposition bildet. Vielleicht fehlte es diesem Setup etwas an Tempo: Bei „Noisia“ und „Culture Shock“ hätte ich mir mehr Differenzierung zwischen den einzelnen Bits gewünscht. Gleichzeitig klang die rein künstliche elektronische Musik genauso interessant wie Live-Musik: Offenbar war es gerade dieses fehlende Tempo, das den Samples eine etwas realistischere Weichheit und einen ehrlicheren, natürlicheren Nachklang verlieh. Die Frauenstimmen sind wunderschön – fließend, melodisch und nur leicht aus dem Gesamtklang herausragend. Die kleineren Männer wirken bodenständiger, stärker in die Musik eingebunden – ohne dabei ihre Emotionen einzubüßen. Der Mitteltonbereich wird voluminös und luftig präsentiert und ist gut in die Gesamtmelodie integriert – er löst sich nicht von ihr und tritt nicht zu sehr in den Vordergrund. Die Streicher klingen klar und deutlich, der Klavierklang schimmert und ist voll, und die Bläser atmen förmlich. Ein Merkmal der Wharfedale-Bändchenhochtöner, das sich sogar in der EVO-Serie zeigt, ist die Abwesenheit von Schärfe und Kälte, die dieser Treiberart oft innewohnen. Auch in den hohen Frequenzen sind Beckenklang und Perkussionsinstrumente klar und deutlich wiedergegeben, ohne dass der Klang durch chirurgische Präzision an Lebendigkeit verliert oder eine besonders starke Richtwirkung entsteht. Die Verbindung zwischen Mittel- und Hochtöner ist nicht spürbar: Die Treiber wirken wie eine einzige Einheit.

Dank ihres Charakters kann man diesen Lautsprechern stundenlang lauschen, ohne dass es zu Ermüdungserscheinungen kommt – selbst bei einer Lautstärke, bei der der Verstärker an seine Grenzen stößt. Sie wirkt nicht gekünstelt elegant, aber auch nicht aufgesetzt analytisch, überschwänglich oder emotional. Der Klang ist schnörkellos: Er bietet genau das, was nötig und beabsichtigt ist. Von allen Wharfedale-Lautsprechern der letzten Jahre kommt die Elysian 4 einem präzisen, unerschütterlichen Klang am nächsten: Dieser Ansatz war bereits in der aktualisierten EVO-Serie zu erkennen, kommt bei der Elysian aber noch stärker zum Tragen.
Viele Jahre lang
Mit der neutralen, detailreichen und dennoch musikalischen Wiedergabe der Elysian 4 hat Wharfedale ein Niveau erreicht, auf dem Lautsprecher deutlich teurerer Hersteller um die Gunst anspruchsvoller Klangliebhaber buhlen. Auf diesem Niveau wird jedoch viel deutlicher, dass jedes Element des Audiosystems seinen eigenen Beitrag leistet. Es wird klarer, dass die Technologie in den Dialog zwischen Musik und Hörer eingreift – und die Wahl der Kombination, deren Melodieinterpretation den individuellen Ohren und dem jeweiligen Raum entspricht, wird zur Lebensaufgabe. Im Falle der Elysian 4 habe ich vier Empfehlungen: Stellen Sie sie in Räumen auf, die mindestens 30 Meter voneinander entfernt sind, vergrößern Sie den Abstand, achten Sie mehr auf die Verstärkung (es kann nie genug Strom geben, glauben Sie mir) und suchen Sie nach guten Aufnahmen (denn „Nymphetamine“ von Cradle of Filth und aufgenommene Neurofunk-Mixe waren im Heimstudio eine Qual anzuhören).

Und seien wir ehrlich, die Liste der Anforderungen ist gar nicht so lang. Man kann mit Elysian 4 viele Jahre arbeiten und die Komponenten nach und nach austauschen.


